Finn der Hase und die Schniefnase

Finn der Hase wachte an einem frostigen Wintermorgen mit einer Nase auf, die so rot leuchtete wie ein reifer Apfel. Ihm ging es nicht besonders gut, denn eine fiese Erkältung hatte ihn erwischt. Sein Kopf fühlte sich schwer an, und das Taschentuch für seine immerzu laufende Nase wurde sein ständiger Begleiter. Als Finn bereits das achtzehnte Taschentuch in den Mülleimer geworfen hatte, beschloss er, dass es an der Zeit war, etwas gegen seine Schnupfnase zu unternehmen.

In seinem kuscheligen Wintermantel machte sich Finn auf den Weg zur Apotheke, nicht ohne den besorgten Worten seiner Mama: „Sei vorsichtig, mein Schatz, und beeil dich, es schneit!“ Begleitet vom Knirschen des Schnees unter seinen Pfoten stapfte er durch den Wald. Es war kalt, und er zog die Ohren tief in seine Mütze, um sich zu wärmen. Unterwegs blieb er plötzlich stehen, als ein leises „Hilfe!“ seine Aufmerksamkeit erregte. Vor der Apotheke stand ein kleiner Igel, der unglücklich mit seinen Stacheln im Türgriff festhing.

Mit vorsichtigen Bewegungen kletterte Finn auf eine festgefrorene Eiskruste und schob behutsam den Igel frei. Der Igel bedankte sich mit einem freundlichen Piepsen, und Finn fühlte sich auf einmal gar nicht mehr so krank – das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, verlieh ihm neue Energie.

In der Apotheke hüllte ein wohliger Duft von Lindenblütentee den Raum ein. Erneut nieste Finn so laut, dass sogar die Gläser ein wenig zitterten. Die Apothekerin, eine freundliche Dame mit silberner Brille, begrüßte ihn mit einem Lächeln. „Na, du tapferer kleiner Held, ich sehe, du brauchst etwas gegen die Schniefnase.“ Sie packte ein Nasenspray und einen rosaroten Saft in eine Tüte und riet ihm, beides regelmäßig einzunehmen, damit er bald wieder munter durch den Wald springen konnte.

Zu Hause wartete Finns Mama bereits mit einer dampfenden Schüssel Karottensuppe auf ihn. „Diese Suppe hat mir meine Oma immer gekocht, wenn ich krank war„, sagte sie mit einem einfühlsamen Lächeln. Finn bereitete sich darauf vor, das Nasenspray zu benutzen – „Igitt, das schmeckt nach Minze!“ klagte er, bevor er den süßen, nach Himbeeren schmeckenden Saft trank. Die Suppe war köstlich, und so fantastisch schmeckte sie, dass Finn jeden letzten Tropfen davon bis zum Schluss liebend aß.

Am nächsten Morgen fühlte sich Finns Nase schon viel besser an, und er schniefte nicht mehr so schlimm wie zuvor. Gemütlich unter seiner Lieblingsdecke eingekuschelt, hörte er gespannt den Märchen zu, die seine Mama ihm vorlas. „Weißt du„, flüsterte sie, „manchmal muss man tapfer sein, auch wenn die Medizin gar nicht gut schmeckt.“ Finn nickte verständnisvoll – irgendwo in all der Unannehmlichkeit hatte er das auch gelernt.